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"Kritik an Israel ist nicht antisemitisch."

Ist Kritik an Israel antisemitisch?

Kritik an Israel ist nicht antisemitisch. Dieser Vorwurf ist eine bekannte und abgenutzte Taktik, die manchmal lächerlich wirkt. Es wird von Israel und seinen bedingungslosen Unterstützern benutzt, um Kritik an der israelischen Politik zu delegitimieren.

Regierungen Irlands und Spaniens werden beschuldigt, Antisemitismus zu fördern. Frankreich und das Vereinigte Königreich werden als „auf dünnem Eis stehend“ eingestuft.

Man könnte darüber lachen, wenn die Folgen nicht so schwerwiegend wären.

Es gibt zwar gefährliche Verwechslungen zwischen Juden und der israelischen Politik, die Antisemitismus erzeugen können. Diese Verwirrung stammt von Israel selbst, das sich als Staat der Juden bezeichnet und seine Zerstörungspolitik im Namen der Juden rechtfertigt.

Ein Grundgesetz von 2018 gibt ausschließlich Juden das Recht auf Selbstbestimmung im Staat Israel. Über 20 % der israelischen Bürger sind jedoch Palästinenser*.

Antisemitismus existiert, aber man bekämpft ihn nicht durch unmoralische Aktionen und indem man versucht, die Politik anderer Länder zu seinem Vorteil zu drehen.

Auf der anderen Seite, wenn Sie alte antisemitische Verschwörungsmythen gegen Israel schüren, dann fallen Sie in die Kategorie Antisemitismus, das heißt den Aufruf zum Hass gegen Juden. Zum Beispiel zu behaupten, Israel kontrolliere die Welt – wie in einer schrecklichen antisemitischen Karikatur** aus dem 19. Jahrhundert, die einen Juden zeigt, der sich an die Erdkugel klammert.

Man darf sich nichts vormachen : die sozialen Medien sind voll von ähnlichen Lügen mit erschreckender Rhetorik. Doch die von der israelischen Armee begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit tragen nicht dazu bei, diese antisemitischen Feindbilder zu entkräften! Besonders wenn Netanjahu auf den biblischen Amalek Bezug nimmt, während eine Bibelstelle die völlige Vernichtung der Amalekiter befiehlt...

Wäre es nicht besser, die Politik der Netanjahu-Regierung zu kritisieren, anstatt "Israel"?

Bei Israel muss plötzlich die Terminologie sehr genau sein. Man kann sagen, die USA seien auf dem Weg zum Faschismus, ohne dass jemand fragt, ob man das Land allgemein oder seine aktuelle Politik meint.

Manche verlangen, man solle statt „Israel“ lieber „Netanyahus Regierung“ sagen, da sonst das Existenzrecht Israels infrage gestellt würde. Völkerrechtlich macht der Begriff „Existenzrecht“ jedoch keinen Sinn. Israel existiert, das ist Fakt, und ist Mitglied der UNO (nicht jedoch Palästina).

Wenn man mit der Kritik an „Israel“ das suprematistische politische System meint, das Israel prägt – wo liegt dann das Problem? Man konnte das kommunistische Diktatur-Regime Ceausescus in Rumänien kritisieren. Sein Ende 1989 beendete nicht die Existenz Rumäniens, sondern demokratisierte das Land.

In der deutschen Sendung Jung & Naiv sprach Jean Asselborn von einer Lobby und davon, dass einige EU-Länder „wie gekauft“ von der israelischen Regierung seien. Schockiert Sie das nicht?

Das Verb „gekauft“ ist hier im weiteren Sinne zu verstehen: man kauft auch durch Gefälligkeiten. Es ist allgemein bekannt, dass Netanjahu den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán unterstützt. Trotz dessen antisemitischer Rhetorik hat Netanjahu ihm das „koscher“ Siegel gegeben. Im Gegenzug gehört Orbán zu den EU-Staaten, die jede Sanktion gegen Israels Verbrechen in Gaza und im Westjordanland blockieren.

Und was ist mit Netanjahus Brief, in dem er darum bittet, Trump den Friedensnobelpreis zu verleihen, wohl wissend, dass Trump davon träumt? Solche Strategien sind natürlich nicht auf Israel beschränkt. Internationale Beziehungen können hässlich und schamlos sein.

In Brüssel, verschweigt das Netzwerk Elnet (European Leadership Network) nicht, dass es sich „dem Ausbau der Beziehungen zwischen Europa und Israel“ widmet. Es ist eine Lobby. Und sie ist sehr beschäftigt.

Sie sind also nicht so schockiert wie der deutsche Politiker Michael Roth, der in der „Jüdischen Allgemeinen“ schreibt: „Das Interview von Asselborn mit Tilo Jung schockiert mich. Einige Aussagen über Israel wirken geradezu bösartig und perfide. Er vergisst fast nichts, was das Handbuch antisemitischer Verschwörungstheorien hergibt.“

Ich kenne Roths Absichten nicht. Wie er sagt, hat er auch schon die humanitäre Katastrophe in Gaza angesprochen. Wurde ihm das vorgeworfen? Sodass er die Gelegenheit nutzte, klarzustellen, auf welcher Seite er steht?

Asselborn ist in Deutschland sehr gefragt, für Preisverleihungen, Medienauftritte etc. Er zögert nicht, Botschaften zu senden, zum Beispiel, dass die Allianz mit Israel nicht zwingend eine Allianz mit Netanjahu bedeuten sollte.

Was mich schockiert hat, waren nicht Asselborns Interviewaussagen, sondern Roths Wortwahl. Sein Text strotzt vor Unterstellungen, die durch nichts begründet sind. Der Zusammenhang zwischen Asselborns Interview und Roths Tirade ist schwer erkennbar.


Martine Kleinberg, Präsidentin von Jewish Call for Peace




Diese Antworten wurden im Rahmen der Vorbereitung des am 20. Juli 2025 vom Wort veröffentlichten Artikels gegeben: « Ist Kritik gegen Israel antisemitisch ? ».


* Während des israelisch-arabischen Krieges 1947-1949 flohen 750.000 Palästinenser ins heutige Westjordanland, nach Gaza und in Nachbarländer. Eine Rückkehr wurde ihnen nie erlaubt. 160.000 Palästinenser blieben auf ihrem Land und wurden israelische Staatsbürger. Sie erfahren zunehmende Diskriminierung.

** Siehe die Karikatur auf dieser Webseite. https://www.bridgemanimages.com/...


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